"...Sobald es Licht wird in dem Menschen, ist auch außer ihm keine Nacht mehr;
sobald es stille wird in ihm, legt sich auch der Sturm in dem Weltall..."

Friedrich Schiller

Dienstag, 16. Juli 2019

Wie meine StammleserInnen schon bemerkt haben, haben wir es hier mit einer längeren


zu tun. Da bietet sich die Gelegenheit, in den vielleicht noch unbekannten Posts zu stöbern, zeitlich oder nach Schlagworten. 
Kalender und Labels finden sich unten rechts*.
Nicht alles, was gut ist, muss taufrisch sein. Das unterscheidet ein Hühnerei von einem guten Gedanken, die Eile von der Muße.
Ich wünsche Euch einen gelungenen Sommer. 

*Webansicht für Monitore.

Donnerstag, 20. Juni 2019

159. Frösche, Maria und Anna


Die Waldteiche liegen brütend in der Sonne. Mein Trittschall schreckt die Grasfrösche auf, die träge an den Rändern quaken und mit einem halbherzigen „Plopp“ zwischen den Teichrosenblättern verschwinden. Ich muss an Matsuo Bashō denken, den Japaner des 17. Jahrhunderts, der genau zu diesem Geschehen ein weltberühmtes Haiku dichtete. Auf langen Wanderungen zog er durch die Provinz.
Die Struktur seiner Haiku spiegelt die Einfachheit seiner meditativen Lebensweise wider. Er versah viele seiner Verse mit einer mystischen Qualität und versuchte, die großen, weltbewegenden Themen durch einfache Naturbilder auszudrücken, vom Vollmond im Herbst bis zu den Flöhen in seiner Hütte. Bashō gab dem Haiku eine ganz neue Anmut. Er vertiefte im Haiku den Zen-Gedanken und begriff Poesie als einen eigenen Lebensstil (Kadō, Weg der Poesie). Bashō war der festen Überzeugung, Poesie könne eine Quelle der Erleuchtung sein.“ (Wikipedia).

Ganz sicher wäre Basho eine meiner ersten Nennungen, fragte mich jemand, mit welcher Person vergangener Epochen ich gern einmal einen Tag verbringen würde. Die gelben Pollen der verblühten Bäume machen den Teichspiegel zur Hälfte stumpf, auch kleinere Flaumfedern schwimmen darauf, auf der anderen Hälfte die Wolken im Wasser, hin- und wieder von einer Krähe durchkreuzt, wie schwindelnd hoch der Himmel ist.

Auf der Anhöhe eines Aussichtsturms hat man vor über hundert Jahren Douglasien gepflanzt, sie waren eben erst in die alte Welt importiert und „chic“. Das Vergehen der Zeit lässt sich an einem Vergleich zwischen historischer Aufnahme der Neupflanzung damals und Foto der Gegenwart gut zeigen. So lange braucht die Reifung von der Schonung zum Wald. Es schweigt diese erlahmende Hitze zwischen den trockenen Ästen, selbst die Amseln sparen Kraft und wechseln seltener ihren Zweig.


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Eigentlich bin ich unterwegs in die Stadt. Die Wartezeit auf die Öffnung eines Museums vertreibe ich mir in der Krypta des Doms, sehr kühl zwischen den dicken Mauern und auf Kapitellen ruhend, die um das Jahr 1066 angefertigt wurden – romanische Muster, verschlungene Bögen, die alles zusammen halten und tragen. Oft ist die Romanik etwas klobig und schwer, doch finde ich gerade ihre Einfachheit und Reduktion oft ansprechend.



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So kenne ich keine schöneren Madonnen als die romanischen aus Holz, sie kommen ganz ohne Prunk aus und haben derart lebendige Züge, dass sie auf fast erschreckende Weise belebt erscheinen.
Mit dem Madonnenthema bin ich auch schon in dem Museum des heutigen Tages. Dort werde ich durch die leeren Räume von der Aufsicht verfolgt, die ihrerseits per Sprechfunk von der Videoüberwachung angewiesen ist, mich zu befragen, ob ich verbotene Filmaufnahmen mache, was natürlich nicht der Fall ist. Das führt zu dem kafkaesken Gefühl, hier einen Schatten im Rücken zu haben, belauert zu sein. Es ist mir schon häufiger passiert, dass Museumsaufsichten mir nachspüren und Dinge unterstellen („Haben sie soeben eine Blitzaufnahme gemacht?“), die nur in ihrer Phantasie geschehen sind, denn ich respektiere die Spielregeln eines jeden Hauses. Ja, ich sollte Verständnis haben, wissen, dass sie nur ihre Arbeit machen und die Exponate schützen müssen. Und doch bleibt immer ein ungutes Gefühl zurück.



Heute möchte ich ein besonderes Kunstwerk vorstellen, das sich zweier gotischer Skulpturen bedient und diese in neuem Kontext präsentiert. Die entstandene Installation zeigt zwei alte, originale Frauenfiguren aus wurmstichigem Lindenholz, Maria und Anna, sie rotiert ganz langsam und hat mich in ihrem Licht- und Schattenspiel sehr angesprochen. Meine LeserInnen wissen, dass ich nicht konfessionell religiös bin, aber die Rückbindung (re-ligio) an alte Traditionen und ihre Symbole sehr interessant finde, weil sie einen anthropologischen Wert an sich haben. So erkenne ich hier auch nicht in erster Linie die Repräsentantinnen der katholischen Kirche, in der der Marienkult große Bedeutung hat, sondern auch eine frühe Darstellung weiblicher Attribute generell. Die „Entkernung“ (ursprünglich ein Begriff aus dem Bauwesen, der einen Teilabriss als Vorstufe zur Kernsanierung beschreibt) archetypischer Sinnbilder kann sehr interessant sein, wenn man dem Bild erlaubt, frei vom Ballast herkömmlicher Vereinnahmung seine Kraft zu entfalten.

Ähnlich sieht es auch der Künstler, wie die nebenstehende Information zeigt:


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Für mich lässt der Ausdruck der Figuren viel Spielraum für die Entfaltung weiterer Adjektive. Doch will ich dem Betrachter nicht vorgreifen:





Mittwoch, 12. Juni 2019

158. Fritz’ Staffelei und Gerhards Bibliothek


Man malte jetzt keine Heiligen oder Herrscherporträts mehr, sondern wagte sich heraus ins Grüne. Die Kunst wurde demokratisiert: Jede(r) konnte alles malen. Und die Romantik zog in die belebte Natur, in der die Empfindungen wohnten. Ich bin in einer kleinen Pinakothek, die ausschließlich den Werken von Fritz und Hermine Overbeck (beide 1869 geboren) gewidmet ist. Die Overbecks waren Mitbegründer des Künstlerdorfes Worpswede und Mitglieder im Deutschen Künstlerbund. Unter dem Dach des alten Speichers sind die Nordseebilder in Öl, eine junge Frau von der Aufsicht schmust mit ihrem Liebhaber herum, ich habe wohl gestört, traue mich aber trotzdem auf die knarzenden Dielen. Eine Schwarzweißfotografie zieht mich dort in ihren Bann. Sie zeigt Damen des 19. Jahrhunderts auf dem Weg zum Malunterricht, die Aufbruchstimmung der Zeit lebt in diesem Bild :


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Moor, Birken, der weite Himmel, schnurgerade Entwässerungsgräben, Lichtsprenkel auf Reetdächern oder Sandwege in „the middle of nowhere“ – derlei Motive waren seinerzeit im Blick. Und die nahe See. Neben den Werken hängen Zitate aus den Briefen der beiden Künstler aneinander, das schafft gewisse Intimität und macht die Zeit lebendig. Ein Aneurysma beendete das Leben von Fritz Overbeck schon mit 39 Jahren. Tief hinein gehen sie in die sinnliche Begegnung mit ihren Motiven, wie hier ein Briefausschnitt dokumentiert:

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Dazu fällt mir ein Zitat des knapp hundert Jahre vor den Overbecks geborenen englischen Landschaftsmalers John Constable ein, der sagt: "Malerei ist eine Wissenschaft und sollte als Untersuchung der Naturgesetze betrieben werden. Warum nicht die Landschaftsmalerei als einen Zweig der Naturphilosophie betrachten, bei dem die Bilder nur die Experimente sind?"

Der heutige Exkursionstag wird von einer fast tropischen Wetterlage begleitet: Nach ergiebigem Dauerregen nun große Wärme, die Feuchtigkeit steigt auf, raubt einem beinahe die Atemluft, man fühlt sich wie in heiße Tücher gewickelt. Dazu führt mein Weg mich in eine Auenlandschaft, in der die Schnirkelschnecken auf den Grashalmen hängend ebenso feucht-fröhlich gedeihen wie Hunderte der gelben Köpfe von Nuphar lutea, der gelben Teichrose, die sich als Teppich auf der Wasseroberfläche vieler Teiche ausbreiten.
Ein kleines Heimatmuseum möchte ich noch besuchen. Gerade weil diese Orte meist ein Sammelsurium geheimnisvoller Gegenstände sind, mehr der Wunderkammer eines Adligen als einer wissenschaftlich kuratierten Sammlung gleichend, im Keller Modergeruch, Exponate in zittriger Handschrift betitelt. Diese authentische Atmosphäre lässt mich einen tatsächlichen Zipfel der Vergangenheit spüren, nicht klinisch erfasst, analysiert. Besonders, wenn die Ehrenamtlichen an der Kasse selbst auf dem Weg in das neunte Lebensjahrzehnt sind.

Letztes Jahr wurde hier ein Schrumpfkopf aus Ecuador gestohlen. Herstellung, Transport und Besitzerwechsel dieses Kopfes wären sicher allein schon Stoff für ein Buch. Hier, wo die Werften traditionell vor der Tür liegen und der Fluss kurz vor seinem Verschwinden im Meer steht, legten vom 16. bis 20. Jahrhundert Handelsschiffe ab, nahmen auch Forschungsreisen ihren Anfang. Und was gibt es Schöneres, als im Humboldtjahr 2019 einzutauchen in die abenteuerliche Welt der Entdecker? Hier ist es Gerhard Rohlfs, über seine umfangreiche Reisetätigkeit lesen wir im Museum, wo ihm ein Raum gewidmet ist, wie folgt:



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Und es finden sich Ferne und Seeluft atmende Exponate. Galionsfiguren, ein ausgestopfter Albatroskopf, die Miniatur einer Bootswerft, der Embryo eines Buckelwals, Regenanzug eines Eskimos, Ölbilder vom Walfang und Dreimastern in Seenot, Seekisten der Matrosen, heimtückische Harpunen, Raubkunst fremder Völker. Aber auch bürgerliche Wohnkultur des 19. Jahrhunderts, Kinderspielzeug, Pfeifenköpfe, Steinäxte, Alkoven, Bettpfannen, monströse gußeiserne Bügeleisen mit Drachenköpfen...kurz: Ich bin in meinem Element.
Das mit Originalmöbeln nachgestellte Arbeitszimmer von Gerhard Rohlfs macht greifbar, wie sein Fernweh sich in der Bibliothek spiegelt. Lederne, brüchige Buchrücken, Titel, die in fremden Sprachen von entlegenen Regionen des Globus berichten, gelesen im Lichtschein einer Petroleumlampe. Wieder eine Biographie so komprimiert und dicht wie mehrere Leben zugleich. Zu seiner Zeit galt es, komplett neue Welten aufzufinden und zu entschlüsseln, im zwanzigsten Jahrhundert konnte man keine neuen Karten mehr zeichnen, Schätze oder neuentdeckte Völker mitbringen, Schädel oder Herbarien verpacken. Aber auch die Neuzeit hat hervorragende Reisende, die zeigen, dass das vermeintlich Bekannte noch viel Unbekanntes bereithält. Bei dieser Gelegenheit verweise ich immer gern auf die kluge, todesmutige Reisende und Autorin Dervla Murphy, im deutschen Sprachraum leider viel zu wenig bekannt. Athletisch wie ein Olympionike, anspruchslos wie ein Tiefseeschwamm, belesen wie ein Literaturprofessor, mutig wie ein Löwe und von unerschütterlicher Robustheit erobert sie viele Enden dieser Welt, die faszinieren, in denen ich aber nicht tot über den Zaun hängen möchte. Ihre Naturbeschreibungen sind poetisch, die Routen oft haarsträubend, die inhaltliche Vorbereitung umfassend. Manches von ihr gibt es noch antiquarisch in deutscher Sprache.



Ich verlasse das Heimatmuseum und gehe durch die warm dampfende Auenlandschaft heimwärts. Bäche plätschern, Kühe wedeln mit den Ohren gegen Stechinsekten, verblühende Grasähren neigen ihre Köpfe. Es ist üppig, der Weg zum Mittsommer ist nicht mehr weit.



Die Eindrücke:






Montag, 3. Juni 2019

157. Gold


Ich traf eine Libelle. Sie verbrachte den ganzen Tag auf ihrem Ansitz. Ich durfte näher treten. Ihr Körper pulsierte, vor allem der kräftige Hinterleib, der aussah wie flüssiges Gold. Sie drehte ihren sehr beweglichen, gewaltigen Kopf zu mir. Es hätte mich in diesem Moment nicht gewundert, wenn sie zu sprechen begonnen hätte.
Diese Begegnung nach dem Frühstück im Garten („Ich mache mal die Fotorunde, schauen, ob Insekten da sind.“) war so eindrücklich, dass ich einfach alles über Libellen recherchieren musste, was ich noch nicht wusste. Dass sie Künstlerinnen der Metamorphose sind, ist ja nur eines der vielen Wunder.


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Ihre Flügel sind so intelligent konzipiert, dass sie nicht nur in der Luft stehen, sondern auch rückwärts fliegen können. Die großen Facettenaugen bestehen aus bis zu 30.000 Einzelaugen, womit sie den wohl besten Sehsinn im Insektenreich haben. Sie haben Zähne. Einige wenige Arten werfen ihre Eier einfach im Flug über trockenem Gelände ab – von dem sie wissen, dass es zu einer anderen Jahreszeit überflutet sein wird. Andere gehen zur Eiablage bis zu 90 Minuten auf Tauchgang und nehmen dafür eine Sauerstoffblase mit. Drei Monate bis zu fünf Jahre bleiben die Larven im Wasser, bis die große Metamorphose einsetzt. Die durchschnittliche Lebensdauer des ausgewachsenen Tieres beträgt nur sechs bis acht Wochen. Das geniale Konzept Libelle hat sich in den letzten 150 Millionen Jahren nur minimal verändert. Ihren Namen erhielt sie erst 1558 durch einen französischen Naturforscher. Das englische Wort „Dragonfly“ verweist auf ihre Verehrung im keltischen Kulturkreis.
Die Bestimmung einer Libelle ist hochkomplex und erfolgt sowohl über die Beschaffenheit der Flügel (natürlich entstammt unsere Vorstellung von Elfen dem Prototyp Libelle), als auch über Kopf und die Merkmale der Segmente des Hinterleibs, die in der Draufsicht sehr unterschiedlich sein können: Es sind faszinierende Bilder, Icons, Symbole, die einem auch an anderen Stellen schon untergekommen sind – hier stellt sich wieder Humboldts* These unter Beweis, dass alles mit allem zusammenhängt und aus einer Quelle entspringt:




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 * Wer's noch nicht gelesen hat: Andrea Wulf: "Alexander von Humboldt - die Erfindung der Natur": fesselnd, beglückend, kenntnisreich. Eine Reise in die Aufklärung, Weimarer Klassik, die Anfänge der Ökologiebewegung, einfach toll. Der Universalgelehrte lässt einen immer wieder staunen.

Mittwoch, 29. Mai 2019

156. Glitzern im Schatten


„Schratig“, vom Waldschrat abgeleitet, ein Adjektiv, das für etwas eigenwillige, naturverbundene Menschen steht, trifft sicher auch auf Henry David Thoreau zu. In seinem tiefen Verbundensein mit der Natur sagt er:
„Warum sollte ich einsam sein? Befindet sich unser Planet nicht in der Milchstraße?“
So zieht er beobachtend und botanisierend durch die Landschaft, im Detail verweilend, die Zeit vergessend, in seiner betrachtenden Versunkenheit fast durchscheinend.
Oder der große Insektenforscher Jean-Henri Fabre, der ganze Tage auf Knien im Gras verbringen konnte, Käfer oder Erdwespen bewundernd.
So oft es mir möglich ist, richte ich mich auch so aus, wie heute.

Da war ein metallisches Glitzern im tiefen Schatten zwischen den dicken Ästen der alten Esche, die sich über die Teichoberfläche strecken. Ich bleibe zwischen den Knospen des Mädesüß stehen, die bald ihre Doldenschirme ausbreiten werden und gewöhne meine Augen an das Halbdunkel dort drüben. Das blitzt es wieder auf. Ein Eisvogel sitzt mit einem zappenden Fisch auf einem Ast und versucht minutenlang, den Fisch, den er quer im Schnabel hält, zu erschlagen. Irgendwann ist der Fisch lahm und der Vogel kann ihn den Schlund hinunter würgen. Aus dem dunklen Teichgrund leuchten die hellgrünen Blätter der Seerosen herauf. Eine grüne Tiefe wie auf dem berühmten Gemälde „Ophelia“ von John Everett Millais.
Die gelben Iris haben zu blühen begonnen und zeigen ihre Signatur auf den Blütenblättern wie einen verlaufenen Rorschachtest. Der Eisvogel arbeitet noch immer am Verdauungsvorgang. Ich habe mich schon lange nicht bewegt. Für ein solches Erlebnis steht man am Morgen auf. Aus allen Nisthöhlen in den Bäumen Geschrei, man wandert wie durch eine Säuglingsstation. Hunger siegt über Vorsicht. Manchmal geht das schlecht aus, wenn ein Eichhörnchen ein Nest plündert, da sind die Höhlenbrüter sicherer:

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Auf dem Heimweg noch eine Begegnung mit einem besonderen Verhüllungskünstler, der Gespinstmotte. Ein großes Kunstwerk hat sie geschaffen, das ganze Gehölz eingekleidet mit silbrigen Schleiern. An ihren Fäden segeln die Raupen durch die Luft oder verzieren ihr kleines Zelt von innen mit winzigen Kotkügelchen. Ein kleiner, harmloser Falter aus der Familie der Schmetterlinge ist hier am Werk, im Juni ist sein Entwicklungszyklus abgeschlossen, das von seinen Raupen abgefressene Gehölz hat dann genug Zeit, neu auszutreiben:

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 Ich hörte gerade ein Interview mit Charles Foster, dem etwas exzentrischen Engländer, der seine Feldversuche mit der Empathie so weit trieb, dass er versuchte, wie ein Tier zu leben („Der Geschmack von Laub und Erde“). Dort erkennt er an, dass wir neurologisch in einer Filterblase leben und nur eine individuell gefärbte Wirklichkeit wahrnehmen können. Und dass sein Buch ein Bericht über das Scheitern ist. Dennoch stellt er fest, dass es Felder der Wahrnehmung auf nichtsprachlicher Ebene gibt, die evolutionsgeschichtlich bei allen Lebewesen gleich sind. Musik werde ja auch nicht durch Sprache übersetzt, sondern im Fühlen. Der Mensch habe sich zu sehr auf einen Sinn, das Sehen fokussiert und sich damit wichtiger Instrumente beraubt. Man denke nur an Blinde, die z.B. durch Echoortung im Raum navigieren können. Insofern sei doch noch Luft nach oben im Verständnis der Umwelt. Da stimme ich ihm zu und finde, es ist ein enorm spannendes Training. Wie die Wirklichkeit einer in der Luft segelnden Gespinstmottenraupe wohl aussieht? Dass wir zumindest den Versuch machen können, ist das Kreative.

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